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Schöne Aussichten auf der Ifa
Diesmal steht die 3-D-Technik im Mittelpunkt

Ein ganzes Kino voller Brillenschlangen – zum Piepen! Es ist noch gar nicht so lange her, da haben alte Fotos mit solchen Szenen aus der Frühzeit des 3-D-Kinos, also den fünfziger Jahren, heutige Betrachter nur noch belustigt. Nie und nimmer hätten sie geglaubt, dass dies wieder Mode würde, dass Zuschauer millionenfach in 3-D-Spektakel wie „Avatar“ rennen und sich diese drolligen Sehhilfen auf die Nase setzen würden. Und derartig befremdliches Verhalten dann auch noch zu Hause vor dem Bildschirm? Damals noch undenkbar, doch bald schon wahr.

Denn wenn es nach den TV-Herstellern geht, wird die an diesem Freitag beginnende 50. Internationale Funkausstellung (Ifa) in die Geschichte eingehen wie die vor 43 Jahren, als Willy Brandt per Knopfdruck das Farbfernsehen startete. Wieder einmal soll auf der Schau unterm Funkturm eine neue Dimension der Unterhaltungselektronik, die dritte eben, erobert werden. Dass bei der Ifa alle Zeichen auf 3-D stehen würden, sah man schon daran, dass sogar einige Printmedien sich unerwartet in dieser Technik versuchten und Arte die 3-D-Urversion von Alfred Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ausstrahlte. Der Regisseur hielt nicht viel von der Technik, das Studio hatte aber darauf bestanden und den Film dann doch nur zweidimensional ins Kino gebracht: Der 3-D-Boom war wieder abgeflaut.

Aber jetzt ist er wieder da, und alle wichtigen Hersteller präsentieren 3-D-taugliche Fernsehgeräte. Mehr als 50 Geräte gibt es bereits, allein Sony hat zehn im Sortiment (Halle 4.2). Wenn man der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik glaubt, werden mehr als 40 Prozent der Verbraucher in den nächsten drei Jahren einen 3-D-Fernseher kaufen. Bis es so weit ist, kann die neue Technik an den vielen Ständen auf der Ifa ausprobiert werden. Dann müssen die Zuschauer entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, spezialbebrillt im Wohnzimmer zu sitzen.

Mit einem zweistelligen Flächenwachstum auf rund 134 400 Quadratmeter vermieteter Fläche ist die Ifa zum Jubiläum größer als je zuvor. Bereits das Krisenjahr 2009 meisterte die Messe mit einer stabilen Ausstellerzahl und 228 600 Besuchern. In diesem Jahr werden 1423 Aussteller so viele Produktneuheiten wie nie zuvor präsentieren. Alle Ausstellungsbereiche sind ausgebucht.

Ein Rundgang durch ein komplett vernetztes Haus ist am Sonntag (16 Uhr) in Halle 8.1 möglich. Die Sonderschau „Das E-Haus“ zeigt ein 100 Quadratmeter großes Modellhaus mit all seinen energieeffizienten Details: von der Wärme- und Beleuchtungstechnik über die Tankstelle fürs Elektroauto bis zur intelligenten Strommessung. Ohnehin wird bei der Veranstaltungsreihe „Ifa Tech Watch“ in Halle 5.3 täglich über die technischen Visionen diskutiert. Es geht um Themen wie die nächste Generation von Fernsehern und Haushaltsgegenständen.

Bereits im dritten Jahr präsentiert sich die Ifa als die weltweit einzige Messe für Haushaltselektrogeräte. Die Industrie für „Weiße Ware“ hat die Krise besser überstanden als andere Branchen. In den Messehallen gibt es die effizientesten, sparsamsten und skurrilsten Haushaltsgeräte zu bewundern. Zum Beispiel einen Backofen, der erkennt, wann das Roastbeef oder die Pizza fertig ist (Halle 4.1, Stand 101). Ein Babyphone, bei dem man seinen Liebling nicht nur hören, sondern auch sehen kann (Halle 4.1, Stand 205). Oder das intelligente Dosiersystem für Waschdilettanten, das anhand des Verschmutzungsgrades die richtige Menge Waschpulver berechnet (Halle 3.1, Stand 101).

Wie immer ist das Rahmenprogramm breit gefächert. So sind Sterneköche zu Gast. Den Anfang macht heute um 14 Uhr Johann Lafer in Halle 6.1/Stand 101. Auf der Young-Ifa-Bühne in Halle 7.2c diskutieren jeden Tag junge Besucher mit Stars und Experten über Medien und Politik. Am Montag stellt beispielsweise die Robert-Bosch-Stiftung das Projekt „Du hast die Macht“ vor. Da geht es um die Frage, wie Politik für Kinder spannend aufbereitet werden kann.

Darüber hinaus werden die TV- und Radiosender mit Ständen und Studios vertreten sein. So kann man etwa bei der ARD in Halle 2.2 Schauspieler wie Katrin Sass und Florian Lukas treffen oder die „Tagesschau“-Sprecher Judith Rakers und Jan Hofer bei der Arbeit beobachten. Am Stand von ZDFneo (Halle 6.2) schaut unter anderem Schauspieler Christian Ulmen vorbei. Und im Ifa-Sommergarten lässt am Samstagabend Scooter die Massen tanzen.
Schöne Aussichten auf der Ifa
Diesmal steht die 3-D-Technik im Mittelpunkt

Ein ganzes Kino voller Brillenschlangen – zum Piepen!
Diesmal steht die 3-D-Technik im Mittelpunkt

Ein ganzes Kino voller Brillenschlangen – zum Piepen! Es ist noch gar nicht so lange her, da haben alte Fotos mit solchen Szenen aus der Frühzeit des 3-D-Kinos, also den fünfziger Jahren, heutige Betrachter nur noch belustigt. Nie und nimmer hätten sie geglaubt, dass dies wieder Mode würde, dass Zuschauer millionenfach in 3-D-Spektakel wie „Avatar“ rennen und sich diese drolligen Sehhilfen auf die Nase setzen würden. Und derartig befremdliches Verhalten dann auch noch zu Hause vor dem Bildschirm? Damals noch undenkbar, doch bald schon wahr.

Denn wenn es nach den TV-Herstellern geht, wird die an diesem Freitag beginnende 50. Internationale Funkausstellung (Ifa) in die Geschichte eingehen wie die vor 43 Jahren, als Willy Brandt per Knopfdruck das Farbfernsehen startete. Wieder einmal soll auf der Schau unterm Funkturm eine neue Dimension der Unterhaltungselektronik, die dritte eben, erobert werden. Dass bei der Ifa alle Zeichen auf 3-D stehen würden, sah man schon daran, dass sogar einige Printmedien sich unerwartet in dieser Technik versuchten und Arte die 3-D-Urversion von Alfred Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ausstrahlte. Der Regisseur hielt nicht viel von der Technik, das Studio hatte aber darauf bestanden und den Film dann doch nur zweidimensional ins Kino gebracht: Der 3-D-Boom war wieder abgeflaut.

Aber jetzt ist er wieder da, und alle wichtigen Hersteller präsentieren 3-D-taugliche Fernsehgeräte. Mehr als 50 Geräte gibt es bereits, allein Sony hat zehn im Sortiment (Halle 4.2). Wenn man der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik glaubt, werden mehr als 40 Prozent der Verbraucher in den nächsten drei Jahren einen 3-D-Fernseher kaufen. Bis es so weit ist, kann die neue Technik an den vielen Ständen auf der Ifa ausprobiert werden. Dann müssen die Zuschauer entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, spezialbebrillt im Wohnzimmer zu sitzen.

Mit einem zweistelligen Flächenwachstum auf rund 134 400 Quadratmeter vermieteter Fläche ist die Ifa zum Jubiläum größer als je zuvor. Bereits das Krisenjahr 2009 meisterte die Messe mit einer stabilen Ausstellerzahl und 228 600 Besuchern. In diesem Jahr werden 1423 Aussteller so viele Produktneuheiten wie nie zuvor präsentieren. Alle Ausstellungsbereiche sind ausgebucht.

Ein Rundgang durch ein komplett vernetztes Haus ist am Sonntag (16 Uhr) in Halle 8.1 möglich. Die Sonderschau „Das E-Haus“ zeigt ein 100 Quadratmeter großes Modellhaus mit all seinen energieeffizienten Details: von der Wärme- und Beleuchtungstechnik über die Tankstelle fürs Elektroauto bis zur intelligenten Strommessung. Ohnehin wird bei der Veranstaltungsreihe „Ifa Tech Watch“ in Halle 5.3 täglich über die technischen Visionen diskutiert. Es geht um Themen wie die nächste Generation von Fernsehern und Haushaltsgegenständen.

Bereits im dritten Jahr präsentiert sich die Ifa als die weltweit einzige Messe für Haushaltselektrogeräte. Die Industrie für „Weiße Ware“ hat die Krise besser überstanden als andere Branchen. In den Messehallen gibt es die effizientesten, sparsamsten und skurrilsten Haushaltsgeräte zu bewundern. Zum Beispiel einen Backofen, der erkennt, wann das Roastbeef oder die Pizza fertig ist (Halle 4.1, Stand 101). Ein Babyphone, bei dem man seinen Liebling nicht nur hören, sondern auch sehen kann (Halle 4.1, Stand 205). Oder das intelligente Dosiersystem für Waschdilettanten, das anhand des Verschmutzungsgrades die richtige Menge Waschpulver berechnet (Halle 3.1, Stand 101).

Wie immer ist das Rahmenprogramm breit gefächert. So sind Sterneköche zu Gast. Den Anfang macht heute um 14 Uhr Johann Lafer in Halle 6.1/Stand 101. Auf der Young-Ifa-Bühne in Halle 7.2c diskutieren jeden Tag junge Besucher mit Stars und Experten über Medien und Politik. Am Montag stellt beispielsweise die Robert-Bosch-Stiftung das Projekt „Du hast die Macht“ vor. Da geht es um die Frage, wie Politik für Kinder spannend aufbereitet werden kann.

Darüber hinaus werden die TV- und Radiosender mit Ständen und Studios vertreten sein. So kann man etwa bei der ARD in Halle 2.2 Schauspieler wie Katrin Sass und Florian Lukas treffen oder die „Tagesschau“-Sprecher Judith Rakers und Jan Hofer bei der Arbeit beobachten. Am Stand von ZDFneo (Halle 6.2) schaut unter anderem Schauspieler Christian Ulmen vorbei. Und im Ifa-Sommergarten lässt am Samstagabend Scooter die Massen tanzen.

Der Tagesspiegel, [03.09.2010]

 
ICC bald zwei Jahre dicht
Das Gebäude soll in dieser Zeit rundum erneuert werden - für geschätzte 220 Millionen Euro

Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin wird voraussichtlich 2013 für zwei Jahre geschlossen, um komplett modernisiert und saniert zu werden.
Das Gebäude soll in dieser Zeit rundum erneuert werden - für geschätzte 220 Millionen Euro

Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin wird voraussichtlich 2013 für zwei Jahre geschlossen, um komplett modernisiert und saniert zu werden. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) kündigte am Donnerstag an, dass der Senat dies im Herbst beschließen werde. Die Abstimmung mit den anderen beteiligten Senatsverwaltungen sei "in der Schlussphase".

Wolf geht davon aus, dass eine schnelle Sanierung auch Kosten spart. Um dies zu erreichen, solle auch das Raumprogramm für das ICC noch einmal überarbeitet werden. Damit die Großkongresse nicht aus Berlin abwandern, erhält die Messe am Standort der Deutschlandhalle einen Ersatzbau, den sie selbst finanziert und der nach der ICC-Sanierung als normale Messehalle fungiert. Vorher muss die Deutschlandhalle abgerissen werden.

Um den Zeitplan zu halten, müsste damit spätestens 2011 begonnen werden. Ursprünglich wollte der Senat das ICC bei laufendem Betrieb über einen Zeitraum von sechs Jahren umbauen, außerdem müssen Asbest und andere Schadstoffe beseitigt werden. Die Messe GmbH setzte sich aber mit ihrer Einschätzung durch, dass eine Sanierung bei laufendem Betrieb nicht möglich ist, ohne den Kongressbetrieb nachhaltig zu schädigen. Die Kosten für die ICC-Sanierung wurden bisher auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.

Der Tagesspiegel, [02.09.2010]

 
S-Bahn mit noch weniger Wagen
Die Bahn kann in Zukunft noch weniger Wagen pro Zug einsetzen als geplant

Die Rückkehr zum Normalfahrplan mit Betrieb auf allen Linien wird für die S-Bahn immer mehr zur Utopie.
Die Bahn kann in Zukunft noch weniger Wagen pro Zug einsetzen als geplant

Die Rückkehr zum Normalfahrplan mit Betrieb auf allen Linien wird für die S-Bahn immer mehr zur Utopie. Jetzt muss sie ab Oktober den Einsatz der betriebsfähigen Fahrzeuge so anpassen, dass bei diesen Wagen die Bremssandbehälter täglich geprüft werden können, was zu längeren Abstellzeiten führt. Bisher gab es eine Frist zwischen 7 und 14 Tagen. Wegen der häufigeren Kontrollen können dann noch weniger Wagen eingesetzt werden als bisher. Der Bahnkonzern, bei dem Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) interveniert hatte, teilte ihr mit, dass man erst Anfang Oktober imstande sei, zu sagen, wie viele Wagen die S-Bahn in den folgenden Wochen einsetzen könne. Der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, bezeichnete dies als einen „unternehmerischen Offenbarungseid.“

Schon jetzt kann die S-Bahn weniger Züge fahren lassen, als im Notbetrieb geplant war, weil sie auf neue Achsen und Räder warten müsse, für die es bei den Herstellern lange Lieferfristen gebe. Unverdrossen verkündet das Unternehmen aber weiter, nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember zum Normalbetrieb zurückkehren zu wollen – allerdings weiter mit kürzeren Zügen als üblich. Junge-Reyer sagt dazu, sie glaube bei der Bahn nur noch, was sie auch sehe.

Die tägliche Prüfung der Bremsbehälter ist eine späte Folge eines Auffahrunfalls im November 2006. Im Bahnhof Südkreuz war damals eine S-Bahn gegen ein abgestelltes Prüffahrzeug geprallt; mehr als 30 Fahrgäste waren verletzt worden. Der Triebfahrzeugfahrer hatte zwar heftig gebremst, allerdings war der Behälter für den Bremssand leer, der bei Gefahrenbremsungen auf die Schiene gestreut wird, um die Bremswirkung zu erhöhen. Warum die Behälter aber erst jetzt täglich kontrolliert werden, beantwortete weder das EBA noch die S-Bahn. Im Regionalverkehr sind tägliche Kontrollen üblich. Die Probleme seien seit langem bekannt, kritisierte Franz. Das neuerliche Desaster lasse sich damit nicht begründen.

Weil auch die Bremssteuerung der Fahrzeuge der neuesten Baureihe 481 konstruktionsbedingt bei Notbremsungen nicht optimal funktioniert, muss zudem die Software angepasst werden. Auch dies war nach dem Unfall schnell klar. Bis heute gibt es dafür aber noch keine Lösung. Die S-Bahn hofft, vor Jahresende eine Lösung gemeinsam mit dem Eisenbahn-Bundesamt finden zu können. Danach müssen die 500 Doppelwagen umgebaut werden, was wiederum zu längeren Aufenthalten in den Werkstätten führen wird.

Erst nach einem Umbau der Bremssteuerung dürfen die Züge wieder mit vollem Tempo fahren. Nach dem Unfall 2006 – und nach dem Ausfall der Zwangsbremsung bei der Vorbeifahrt an einem Halt zeigenden Signal – hatte das Eisenbahn-Bundesamt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf 80 km/h reduziert.

Der Tagesspiegel, [02.09.2010]

 

 
Diesmal steht die 3-D-Technik im Mittelpunkt

Ein ganzes Kino voller Brillenschlangen – zum Piepen! Es ist noch gar nicht so lange her, da haben alte Fotos mit solchen Szenen aus der Frühzeit des 3-D-Kinos, also den fünfziger Jahren, heutige Betrachter nur noch belustigt. Nie und nimmer hätten sie geglaubt, dass dies wieder Mode würde, dass Zuschauer millionenfach in 3-D-Spektakel wie „Avatar“ rennen und sich diese drolligen Sehhilfen auf die Nase setzen würden. Und derartig befremdliches Verhalten dann auch noch zu Hause vor dem Bildschirm? Damals noch undenkbar, doch bald schon wahr.

Denn wenn es nach den TV-Herstellern geht, wird die an diesem Freitag beginnende 50. Internationale Funkausstellung (Ifa) in die Geschichte eingehen wie die vor 43 Jahren, als Willy Brandt per Knopfdruck das Farbfernsehen startete. Wieder einmal soll auf der Schau unterm Funkturm eine neue Dimension der Unterhaltungselektronik, die dritte eben, erobert werden. Dass bei der Ifa alle Zeichen auf 3-D stehen würden, sah man schon daran, dass sogar einige Printmedien sich unerwartet in dieser Technik versuchten und Arte die 3-D-Urversion von Alfred Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ausstrahlte. Der Regisseur hielt nicht viel von der Technik, das Studio hatte aber darauf bestanden und den Film dann doch nur zweidimensional ins Kino gebracht: Der 3-D-Boom war wieder abgeflaut.

Aber jetzt ist er wieder da, und alle wichtigen Hersteller präsentieren 3-D-taugliche Fernsehgeräte. Mehr als 50 Geräte gibt es bereits, allein Sony hat zehn im Sortiment (Halle 4.2). Wenn man der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik glaubt, werden mehr als 40 Prozent der Verbraucher in den nächsten drei Jahren einen 3-D-Fernseher kaufen. Bis es so weit ist, kann die neue Technik an den vielen Ständen auf der Ifa ausprobiert werden. Dann müssen die Zuschauer entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, spezialbebrillt im Wohnzimmer zu sitzen.

Mit einem zweistelligen Flächenwachstum auf rund 134 400 Quadratmeter vermieteter Fläche ist die Ifa zum Jubiläum größer als je zuvor. Bereits das Krisenjahr 2009 meisterte die Messe mit einer stabilen Ausstellerzahl und 228 600 Besuchern. In diesem Jahr werden 1423 Aussteller so viele Produktneuheiten wie nie zuvor präsentieren. Alle Ausstellungsbereiche sind ausgebucht.

Ein Rundgang durch ein komplett vernetztes Haus ist am Sonntag (16 Uhr) in Halle 8.1 möglich. Die Sonderschau „Das E-Haus“ zeigt ein 100 Quadratmeter großes Modellhaus mit all seinen energieeffizienten Details: von der Wärme- und Beleuchtungstechnik über die Tankstelle fürs Elektroauto bis zur intelligenten Strommessung. Ohnehin wird bei der Veranstaltungsreihe „Ifa Tech Watch“ in Halle 5.3 täglich über die technischen Visionen diskutiert. Es geht um Themen wie die nächste Generation von Fernsehern und Haushaltsgegenständen.

Bereits im dritten Jahr präsentiert sich die Ifa als die weltweit einzige Messe für Haushaltselektrogeräte. Die Industrie für „Weiße Ware“ hat die Krise besser überstanden als andere Branchen. In den Messehallen gibt es die effizientesten, sparsamsten und skurrilsten Haushaltsgeräte zu bewundern. Zum Beispiel einen Backofen, der erkennt, wann das Roastbeef oder die Pizza fertig ist (Halle 4.1, Stand 101). Ein Babyphone, bei dem man seinen Liebling nicht nur hören, sondern auch sehen kann (Halle 4.1, Stand 205). Oder das intelligente Dosiersystem für Waschdilettanten, das anhand des Verschmutzungsgrades die richtige Menge Waschpulver berechnet (Halle 3.1, Stand 101).

Wie immer ist das Rahmenprogramm breit gefächert. So sind Sterneköche zu Gast. Den Anfang macht heute um 14 Uhr Johann Lafer in Halle 6.1/Stand 101. Auf der Young-Ifa-Bühne in Halle 7.2c diskutieren jeden Tag junge Besucher mit Stars und Experten über Medien und Politik. Am Montag stellt beispielsweise die Robert-Bosch-Stiftung das Projekt „Du hast die Macht“ vor. Da geht es um die Frage, wie Politik für Kinder spannend aufbereitet werden kann.

Darüber hinaus werden die TV- und Radiosender mit Ständen und Studios vertreten sein. So kann man etwa bei der ARD in Halle 2.2 Schauspieler wie Katrin Sass und Florian Lukas treffen oder die „Tagesschau“-Sprecher Judith Rakers und Jan Hofer bei der Arbeit beobachten. Am Stand von ZDFneo (Halle 6.2) schaut unter anderem Schauspieler Christian Ulmen vorbei. Und im Ifa-Sommergarten lässt am Samstagabend Scooter die Massen tanzen.

Der Tagesspiegel, [03.09.2010]

 
Das Gebäude soll in dieser Zeit rundum erneuert werden - für geschätzte 220 Millionen Euro

Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin wird voraussichtlich 2013 für zwei Jahre geschlossen, um komplett modernisiert und saniert zu werden. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) kündigte am Donnerstag an, dass der Senat dies im Herbst beschließen werde. Die Abstimmung mit den anderen beteiligten Senatsverwaltungen sei "in der Schlussphase".

Wolf geht davon aus, dass eine schnelle Sanierung auch Kosten spart. Um dies zu erreichen, solle auch das Raumprogramm für das ICC noch einmal überarbeitet werden. Damit die Großkongresse nicht aus Berlin abwandern, erhält die Messe am Standort der Deutschlandhalle einen Ersatzbau, den sie selbst finanziert und der nach der ICC-Sanierung als normale Messehalle fungiert. Vorher muss die Deutschlandhalle abgerissen werden.

Um den Zeitplan zu halten, müsste damit spätestens 2011 begonnen werden. Ursprünglich wollte der Senat das ICC bei laufendem Betrieb über einen Zeitraum von sechs Jahren umbauen, außerdem müssen Asbest und andere Schadstoffe beseitigt werden. Die Messe GmbH setzte sich aber mit ihrer Einschätzung durch, dass eine Sanierung bei laufendem Betrieb nicht möglich ist, ohne den Kongressbetrieb nachhaltig zu schädigen. Die Kosten für die ICC-Sanierung wurden bisher auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.

Der Tagesspiegel, [02.09.2010]

 
Die Bahn kann in Zukunft noch weniger Wagen pro Zug einsetzen als geplant

Die Rückkehr zum Normalfahrplan mit Betrieb auf allen Linien wird für die S-Bahn immer mehr zur Utopie. Jetzt muss sie ab Oktober den Einsatz der betriebsfähigen Fahrzeuge so anpassen, dass bei diesen Wagen die Bremssandbehälter täglich geprüft werden können, was zu längeren Abstellzeiten führt. Bisher gab es eine Frist zwischen 7 und 14 Tagen. Wegen der häufigeren Kontrollen können dann noch weniger Wagen eingesetzt werden als bisher. Der Bahnkonzern, bei dem Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) interveniert hatte, teilte ihr mit, dass man erst Anfang Oktober imstande sei, zu sagen, wie viele Wagen die S-Bahn in den folgenden Wochen einsetzen könne. Der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, bezeichnete dies als einen „unternehmerischen Offenbarungseid.“

Schon jetzt kann die S-Bahn weniger Züge fahren lassen, als im Notbetrieb geplant war, weil sie auf neue Achsen und Räder warten müsse, für die es bei den Herstellern lange Lieferfristen gebe. Unverdrossen verkündet das Unternehmen aber weiter, nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember zum Normalbetrieb zurückkehren zu wollen – allerdings weiter mit kürzeren Zügen als üblich. Junge-Reyer sagt dazu, sie glaube bei der Bahn nur noch, was sie auch sehe.

Die tägliche Prüfung der Bremsbehälter ist eine späte Folge eines Auffahrunfalls im November 2006. Im Bahnhof Südkreuz war damals eine S-Bahn gegen ein abgestelltes Prüffahrzeug geprallt; mehr als 30 Fahrgäste waren verletzt worden. Der Triebfahrzeugfahrer hatte zwar heftig gebremst, allerdings war der Behälter für den Bremssand leer, der bei Gefahrenbremsungen auf die Schiene gestreut wird, um die Bremswirkung zu erhöhen. Warum die Behälter aber erst jetzt täglich kontrolliert werden, beantwortete weder das EBA noch die S-Bahn. Im Regionalverkehr sind tägliche Kontrollen üblich. Die Probleme seien seit langem bekannt, kritisierte Franz. Das neuerliche Desaster lasse sich damit nicht begründen.

Weil auch die Bremssteuerung der Fahrzeuge der neuesten Baureihe 481 konstruktionsbedingt bei Notbremsungen nicht optimal funktioniert, muss zudem die Software angepasst werden. Auch dies war nach dem Unfall schnell klar. Bis heute gibt es dafür aber noch keine Lösung. Die S-Bahn hofft, vor Jahresende eine Lösung gemeinsam mit dem Eisenbahn-Bundesamt finden zu können. Danach müssen die 500 Doppelwagen umgebaut werden, was wiederum zu längeren Aufenthalten in den Werkstätten führen wird.

Erst nach einem Umbau der Bremssteuerung dürfen die Züge wieder mit vollem Tempo fahren. Nach dem Unfall 2006 – und nach dem Ausfall der Zwangsbremsung bei der Vorbeifahrt an einem Halt zeigenden Signal – hatte das Eisenbahn-Bundesamt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf 80 km/h reduziert.

Der Tagesspiegel, [02.09.2010]

 
Einigkeit bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen: Tourismus kann für die Hauptstadt zum "Retter in der Finanznot" werden

Berlin wird wachsen. Mit Tourismus, Elektroautos, schnellem Internet und Gesundheit sollen laut der McKinsey-Studie „Berlin 2020“ 160.000 neue Jobs in der Hauptstadt entstehen. Ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel, meint Katrin Suder, Leiterin des Berliner McKinsey-Büros.

Insbesondere über das Wachstumspotential des Tourismus diskutierten jetzt Vertreter verschiedener Branchen unter dem Titel „Berlin-Tourismus: Retter der Finanznot?“ im Rahmen der Berliner Wirtschaftsgespräche. Einig waren sich die Diskutanten darin, dass Berlin auch in Zukunft ein beliebtes Urlaubsziel ist. Es bleibe aber der „härteste Hotelmarkt der Welt“, betonte Burkard Kieker, Geschäftsführer von Berlin Tourismus Marketing GmbH. Er befürchte in diesem Bereich eine Blase.

Dennoch könnten im nächsten Jahrzehnt bis zu 500.000 neue Jobs geschaffen werden. Neben dem Tourismus, dem mit einem Jobvolumen von bis zu 115.000 möglichen Stellen die Spitze der Liste potenzieller Wachstumsbranchen reserviert bleibt, reihen sich außerdem die Elektromobilität, die Informations- und Kommunikationstechnologie und die Gesundheit ein. Schon heute beschäftigt die Tourismusbranche mit 160.000 Arbeitsplätzen 10% aller Erwerbstätigen der Stadt und ist damit Berlins größter Jobmotor. Um das Potenzial voll auszuschöpfen, müssen neue Besuchergruppen wie beispielsweise junge Familien oder Senioren gewonnen werden, sagt Jasper zu Putlitz, der Tourismusexperte bei McKinsey. Gelingen könnte das durch die Kombination von Kultur- und Erholungsreisen und den Ausbau der Messe- und Kongresskapazitäten. Schulklassen, Jugendgruppen und Wochenendabenteurer kommen jetzt schon gern in die Hauptstadt. Das internationale Besucherprofil wird von Westeuropäern und Amerikanern bestimmt. Eine Öffnung für Besucher aus Osteuropa und Fernost birgt ein enormes Potential, meint zu Putlitz.

Die gute Nachricht des Abends: Vor allem in Schwellenländern wie Indien oder China nehme das Interesse an Berlin bereits weiter zu.

Der Tagesspiegel, [02.09.2010]

 

 
9. Antikmeile in der Suarezstraße

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen besucht am Samstag, den 04.09.2010, um 16:00 Uhr die Antikmeile in der Suarezstraße. Die Werbegemeinschaft Suarezstraße veranstaltet von 12:00 bis 20:00 Uhr die 9. Antikmeile in der Suarezstraße, Windscheidstraße und Pestalozzistraße zwischen Kantstraße und Sophie-Charlotte-Platz. Diesmal heißt das Motto "Wir fallen alle aus dem Rahmen". Unter anderem spielen die BigBand "The Swinging Devils" und es gibt Jazz und Blues der 20er und 30er Jahre mit "Mick´s Washboard".

Das Scharniertheater aus Hannover spielt mit Hund Pino, es wird Mode im Wandel der Zeiten gezeigt und natürlich gibt es auch Antiquitäten.

 
Glamour für zu Hause bei Karstadt in der Wilmersdorfer Straße

Wer möchte nicht so sexy, jung und trendy wie Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha aus dem Kinohit "Sex and the City" wirken? Diesen legendären "New York City Style" können Sie sich jetzt in Ihr Badezimmer holen - mit der neuen "Sex and the City Collection" der Firma Vossen. Hauchen Sie Ihrem Bad das "gewisse Etwas" ein - mit trendigem Lifestyle und modischer Eleganz. Sie möchten mehr? Die "Sex and the Ciy Collection" der Firma Estella bietet z.B. Bettwäsche für Ihr Schlafzimmer - so sind Sie auch im Bett stilsicher.

 
Ausstellung zum Jubiläum von Mai bis Oktober 2011 in 125 Vitrinen des Kurfürstendamms

Er gehört zu den bekanntesten Straßen Deutschlands. Der Kurfürstendamm in Berlin ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein nationales Symbol. Über Epochenumbrüche und Systemgrenzen hinweg hat sich hier große Geschichte im Alltäglichen manifestiert.

Der Kurfürstendamm wurde früh zum Mythos seiner selbst, Symbol mondäner Urbanität im späten Kaiserreich und den Goldenen 20er Jahren und Schaufenster der westliche Welt im Kalten Krieg. Er ist im Begriff, seine Position im wiedervereinten Berlin neu zu definieren.

2011, zum 125. Geburtstag des Boulevards, stellt sich der Kurfürstendamm mit Hilfe seiner einzigartigen Vitrinen selbst zur Schau. Der Gehweg wird zum Ausstellungsparcour, der Boulevard zum Freilichtmuseum - umsonst und draußen.

Werden Sie Teil der Ausstellung

In den Vitrinen wird die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Straße in Form kleiner Geschichten über Bewohner und Gebäude, über Geschäfte, Etablissements und Attraktionen, über Mythen, Träume und Planungen präsentiert. Eine jede mit Bezug zum Standort der jeweiligen Vitrine.

Ein Vitrinenführer lenkt den Passanten wie bei einer Schnitzeljagd durch den Straßenraum. Die Exponate, die durch eigens gestaltete Träger eingefügt werden, mischen sich dabei unter die verkäufliche Ware.

So verbinden sich Vitrinenbummel und Ausstellungsbesuch, Shopping und Bildungserlebnis zu einem einmaligen Ereignis.

 
Am 28. August 2010 von 18.00 bis 2.00 Uhr

Wie jedes Jahr findet Ende August einer der unerlässlichen Programmpunkte des Berliner Kultursommers statt: die Lange Nacht der Museen. 92 Häuser nehmen in diesem Sommer teil, darunter auch die großen Museen auf der Museumsinsel, am Kulturforum und in Dahlem.

Die Lange Nacht der Museen hat diesmal einen thematischen Schwerpunkt bei den Unabhängigkeits-bewegungen in Lateinamerika, die vor 200 Jahren begannen und letztlich zur Befreiung von der spanischen Kolonialherrschaft führten. Unter dem Begriff "Bicentenario" wird in Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Uruguay und Venezuela durchaus kontrovers der Ereignisse um 1809-11 gedacht, als die damaligen Kolonien aufbegehrten. Das Jubiläum der Gründung der meisten lateinamerikanischen Republiken hat etliche Berliner Museen und Institutionen zu Ausstellungen und Programmen inspiriert, die die gesellschaftlichen und künstlerischen Verhältnisse auf dem Kontinent reflektieren. Zum Beispiel präsentiert das Iberoamerikanische Institut die Ausstellung „Santos Chávez - poetischer Realismus. Grafiken aus Chile“ und Filme wie "Von Feuerland nach Tijuana" oder "El abrazo partido". Das DHM lädt zur Themenführung „Entdecker, Sklaven, Freiheitskämpfer - Europa und Südamerika von der Conquista bis zur Unabhängigkeit“ ein. Im Roten Rathaus gibt es zudem eine zentrale Ausstellung mit Beiträgen aus den Museen der beteiligten Länder sowie mit Musik und Kulinarischem aus dieser Region.

Ein reiches Angebot mit Führungen, Performances, Sonderausstellungen  und musikalisch-literarischen Darbietungen ergänzt wie gewohnt die Dauerausstellungen in allen beteiligten Häusern.

Eine Premiere ist die Einbindung der 10. Langen Nacht der Synagogen. Erstmals können während der Langen Nacht der Museen sechs Berliner Synagogen besichtigt werden – eine Idee, die gemeinsam mit den Jüdischen Kulturtagen zum Jubiläum entwickelt wurde und die schon im Vorfeld auf großes Interesse stößt. Mit dabei: Synagoge Fraenkelufer, Synagoge Le Dor we Dor, Synagoge Joachimstaler Straße, Neue Synagoge Oranienburger Straße, Centrum Judaicum, Synagoge Tiferet Israel. Neben Führungen durch die Synagogen erleben die Besucher u. a. liturgische Gebetsgesänge, Erläuterungen zum Schabbat und einen Trialog mit Vertretern des Judentums, des Christentums und des Islam.

Lustgarten vor dem Alten Museum

Hier eröffnet der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit um 18.00 Uhr die Lange Nacht der Museen gemeinsam mit dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herrmann Parzinger, dem Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, Hans Ottomeyer, und der Dompredigerin Petra Zimmermann. Am Lustgarten können sich die Besucher in letzter Minute über das Programm informieren und Tickets kaufen. Hier ist auch der zentrale Umsteigeplatz für die Shuttle-Busse, die auf sieben Routen die beteiligten Museen verbinden. Die BSR zeigt mit der Kunstaktion „Die Neue Haltestelle am Lustgarten“, dass Sperrmüll wertvolles Recyclingmaterial ist. Ein besonderer Höhepunkt wird der mitternächtliche Auftritt der "Correfocs", katalanische Feuertänzer aus Argentona – zum ersten Mal in Berlin zu erleben!

 
Die S-Bahn wird ihren Normalbetrieb nicht wie geplant im Dezember wieder aufnehmen können - die Reparaturen gehen zu langsam voran

Fahrgäste der S-Bahn müssen sich darauf einstellen, dass der Normalbetrieb noch länger ans bisher angenommen auf sich warten lässt. Nach Tagesspiegel-Informationen haben Berechnungen der S-Bahn ergeben, dass das Ziel, im Dezember auf allen Linien wieder zum normalen Fahrplan zurückzukehren, sich nicht erfüllen lässt. Eine Stellungnahme des Unternehmens gab es bis Redaktionsschluss nicht.

Um wieder auf allen Linien fahren zu können, müssen nach Angaben der S-Bahn 501 der vorhandenen 630 Doppelwagen einsetzbar sein. Interne Untersuchungen haben nach Tagesspiegel–Informationen aber gezeigt, dass nicht mehr als 420 dieser sogenannten Viertelzüge auf die Gleise geschickt werden können. Mehr schaffen die Werkstätten nicht, obwohl die Kapazitäten erweitert und Anfang des Jahres auch die 2006 geschlossene Werkstatt Friedrichsfelde wieder den Betrieb aufgenommen hat.

Nach dem Bruch eines Rades und festgestellten Rissen in Achsen müssen die vorhandenen Fahrzeuge auf Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes so häufig zu Kontrollen in die Werkstatt, dass ein Großteil der Fahrzeugflotte ständig blockiert ist. Die Fristen sind zum Teil so knapp, dass es der S-Bahn bisher nicht gelungen ist, die nur vorübergehend abgestellten Fahrzeuge der Baureihe 485, die noch in der DDR entwickelt worden sind, wie geplant wieder rollen zu lassen. Statt 15 Doppelwagen sind meist nur vier im Einsatz.

So hat die S-Bahn auch ihr Zwischenziel nicht erreicht, derzeit täglich 416 Doppelwagen einzusetzen.In den vergangenen Tagen waren es stets weniger. Selbst zum ersten Fußballspiel von Hertha BSC am Freitagabend, als 40 000 Zuschauer im Olympiastadion erwartet und mehr als 48 000 gekommen waren, musste sie einen geplanten Sonderverkehr kurzfristig abblasen, weil es zu wenig einsatzfähige Fahrzeuge gab.

Nach Tagesspiegel-Informationen sucht die Geschäftsführung nach Zwischenlösungen, zu denen auch der Bau einer Container-Werkstatt gehören könnte. Doch wie bei allen Entscheidungen, die Geld kosten, muss hier auch der Konzern zustimmen. Entspannen soll sich die Lage erst im nächsten Jahr, wenn die bestellten neuen Achsen und Räder geliefert sind und eingebaut werden können. Bei nicht erbrachten Leistungen kürzt der Senat seine Zuschüsse an die S-Bahn. Der im Juni nachverhandelte Vertrag, der weitere Sanktionsmöglichkeiten vorsieht, ist allerdings, wie berichtet, immer noch nicht unterschrieben.

Derzeit fallen die Linien S 45 (Schönefeld–Südkreuz) und S 85 (Waidmannslust–Grünau) weiter aus; auf der S 25 entfällt der Zehn-Minuten-Takt zwischen Teltow und Potsdamer Platz/Gesundbrunnen, der auch auf der S 1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz nicht angeboten wird. Und selbst wenn die S-Bahn wieder nach Fahrplan unterwegs ist, wird es noch mindestens bis Dezember 2011 dauern, ehe die Züge auch wieder mit der vorgesehenen Wagenzahl fahren.

Der Tagesspiegel, [23.08.2010]

 
Mit der längsten Picknickmeile Berlins und vielen Aktionen der anliegenden Geschäfte

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte eröffnen am Samstag, den 4.9.2010, um 12:00 Uhr auf der Uhlandstraße (vor dem Haus Nr. 41, BioCompany), Ecke Lietzenburger Straße, 10719 Berlin den Aktionstag, der vom Uhland-Kiez veranstaltet wird. Unter anderem gibt es die längste Picknickmeile Berlins und viele Aktionen der Geschäfte zwischen Uhlandstraße, Fasanenstraße, Pariser Straße, Pfalzburger Straße, Ludwigkirchstraße und Ludwigkirchplatz. Unter anderem tritt die Gladsaxe-Steelband Schulorchester aus der Charlottenburg-Wilmersdorfer Partnerstadt Gladsaxe in Dänemark auf. Der Aktionstag ist eine der Aktionen des Uhland-Kiezes, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF gefördert und von der Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützt werden.

 
Das Aussichtsrad am Zoo gilt als gescheitert - der Fonds wird aufgelöst

Der Senat tut immer noch so, als wenn die hässliche Brache am Zoo, auf der ein Riesenrad gebaut werden sollte, reine Privatsache ist. Konkrete Überlegungen, was mit dem 2007 an die Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG verkauften Filetgrundstück in der West-City geschehen könnte, gibt es nicht. Obwohl die Projektgesellschaft, wie berichtet, keinen Geldgeber findet und der Aussichtsrad-Fonds „Global View“ vor der Auflösung steht.

„Die Situation erfreut niemanden“, gibt Mathias Gille, Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung, zu. Wenn die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher aus dem Urlaub zurück sei, werde sie sich näher mit dem Thema befassen. Aber zunächst sei das Riesenrad „eine Angelegenheit, die Herrn Nußbaum betrifft“. Dem Finanzsenator sind allerdings die Hände gebunden. Denn im Kaufvertrag für die 12.850 Quadratmeter große Immobilie am Zoo steht, dass der Investor verpflichtet ist, „spätestens 36 Monate nach Besitzübergang ein Riesenrad gebrauchsfertig herzustellen“. Wenn das nicht geschieht, kann der Senat vom Grundstücksverkauf zurücktreten. Es gilt eine Nachfrist von neun Monaten. Das heißt, frühestens im August 2012 kann das Land Berlin wieder über den Grund und Boden verfügen.

Die Besitzübergabe erfolgte erst am 30. Oktober 2008, nach dem Abriss des alten Zoo-Wirtschaftshofes, der dem virtuellen Vergnügungsrad im Wege stand. Ein kleiner Trost: Der Rückkauf der Immobilie wäre für den Senat eine preiswerte Angelegenheit. Denn die Kosten des Neubaus eines Wirtschaftshofs für den Zoo (16,8 Millionen Euro) werden dann mit dem Kaufpreis (25 Millionen Euro) verrechnet. Berücksichtigt man, dass Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) das Grundstück weit über dem Verkehrswert (von maximal 15 Millionen Euro) an die vermeintlichen Riesenrad-Erbauer veräußerte, ist dem Land finanziell kein Schaden entstanden.

Konkrete Pläne für das Areal hat die rot-rote Koalition noch nicht. Als künftiger Nutzer ist die Technische Universität im Gespräch. Die beiden Geschäftsführer von Great Berlin Wheel geben sich selbst noch bis zum Jahresende Zeit, das Geld fürs Rad aufzutreiben. Sie leben nur noch auf Pump von einem Viermillionenkredit für den laufenden Betrieb, von dem nach Insider-Informationen höchstens noch 400.000 Euro übrig sind. Das reicht nicht mehr la.

Auch politisch gesehen stand das Projekt von Anfang an unter einem schlechten Stern. Seit 2004 wurde diskutiert, wo das Aussichtsrad stehen sollte und wer es bauen darf. Favorit des Senats war damals ein Standort am Gleisdreieck, neben dem Technikmuseum. Dessen Direktor Dirk Böndel wehrte sich aber, unterstützt vom Kultursenator Thomas Flierl (Linke), heftig dagegen. Sein Museum sei keine Kirmes. Damals tauchte ein geheimnisvoller Mäzen aus England auf, der angeblich 5,5 Millionen Euro stiften wollte, damit das Technikmuseum auf dem potenziellen Riesenradgelände einen lange gewünschten Erweiterungsbau hinstellen konnte. Die Spende ward nie gesehen.

Weitere Pläne wurden erörtert. Der Schausteller Adolf Steiger wollte an der Heidestraße bauen, die Anschutz Entertainment Group liebäugelte mit einem Vergnügungsrad am Ostbahnhof, wo jetzt die O2-Arena steht. Doch schließlich entschied der Senat, den Great-Wheel-Leuten den Vorzug zu geben, obwohl die Firma schon 2004 ihr erfahrenes Führungspersonal im Zuge interner Querelen gegen unbekannte Jungmanager auswechselte.

Stets betonte der Senat, dass es sich um eine private Investition handele, und setzte gleichzeitig alle Hebel in Bewegung, um den Investoren den Weg zu ebnen. Der Bezirk Mitte legte einen aufwendigen Bebauungsplan vor. Der Senat legte eine städtebauliche Rahmenplanung vor, veränderte das Planwerk Innenstadt und erarbeitete ein Verkehrskonzept. Am ersten Spatenstich, bei dem es bis heute blieb, nahm der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teil, nachdem er dem Projekt die Weihe der „gesamtstädtischen Bedeutung“ gegeben hatte. Das Abgeordnetenhaus segnete den Kaufvertrag ab. SPD und Linke, weitgehend unterstützt von CDU und FDP, trieben den Senat zur Eile an, denn es handele sich um ein Vorhaben von großer Bedeutung, um Tourismus und Wirtschaft weiterzuentwickeln.

Nur die Grünen fragten seit 2006 immer wieder, ob das 120 Millionen teure Investitionsvorhaben einen seriösen finanziellen Hintergrund habe. Sowohl Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) als auch der Finanzsenator versicherten jedes Mal, dies sei geprüft worden. Der Einblick, den die Radfinanziers gewährt hätten, habe kaum Fragen offen gelassen, sagte Sarrazin vor vier Jahren. Damals war sogar noch die Rede davon, dass der Investor auch die Verkehrserschließung am Zoo bezahlen müsse, aber das bleibt ihm ohne Riesenrad erspart.

Der Tagesspiegel, [15.08.2010]; Foto: Promo

 
Mit hohen Rabatten läuft wieder der Sommerschlussverkauf (SSV) im deutschen Einzelhandel

Der Handelsverband ist mit dem Auftakt des Sommerschlussverkaufs (SSV) in der Region zufrieden. Durch die vorherige Werbung seien viele sehr gezielt in den Geschäften gewesen, sagte Günter Päts vom Handelsverband Berlin-Brandenburg am Montag in Potsdam. Der Handel locke mit Preisabschlägen von bis zu 70 Prozent. Allerdings seien die Reduzierungen für sehr hochwertige Waren etwas geringer - bei etwa 30 Prozent. Positiv für einen Einkaufsbummel sei das Wetter. Es ist nicht mehr so heiß wie in den vergangenen Wochen, als viele Menschen einen Ausflug zum Badestrand vorzogen hätten.

Berliner Zeitung, [26.07.2010]

 

 
Der erste Buddy Bär in Bulgarien wurde vom jungen bulgarischen Künstler Alexander Petkoff bemalt

Am 22. Juli fand vor dem Haupteingang der Deutschen Botschaft in Sofia die feierliche Enthüllung des Buddy Bear "Sofia" statt. Die über zwei Meter große Skulptur wird durch den Regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin, Herrn Klaus Wowereit, die Bürgermeisterin der Stadt Sofia, Frau Jordanka Fandakova, sowie den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Matthias Höpfner, eingeweiht. Das Kunstprojekt entstand in Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Sofia.

Der Bär ist das Wappentier der deutschen Hauptstadt. Die ca. 350 Buddy Bären in Berlin sind als kreativ bemalte Skulpturen eine Touristenattraktion. Künstler gestalten die Bären an den verschiedensten Orten und aus unterschiedlichen Anlässen. Beispielsweise stellten Studenten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Bär her, ein weiterer Bär im Gefängnis Moabit wurde von acht Häftlingen aus sechs Ländern gestaltet. Seit 2001 stehen über 1200 Buddy Bären in der ganzen Welt, darunter auch vor mehreren Botschaften und Konsulaten der Bundesrepublik Deutschland – und jetzt auch in Sofia. 144 Buddy Bären gehen seit 2002 auf Welttournee, darunter auch der von der bulgarischen Künstlerin und DAAD-Preisträgerin Klio Karadim Bulgarien-Bär.

Der erste Buddy Bär in Bulgarien wurde vom jungen bulgarischen Künstler Alexander Petkoff bemalt. Er wählte für seine Gestaltung die Farben der deutschen Flagge und Gedichte von Rainer- Maria Rilke und Dimtscho Debeljanov, zwei großen Repräsentanten des europäischen Symbolismus.

 
Beide S-Bahnhöfe verfügen nun über Aufzüge und Blindenleitsystem

Am 14. Juli 2010 erhielten die S-Bahnhöfe Messe Nord/ICC und Messe Süd das Signet "Berlin barrierefrei". Damit werden neben dem Berliner Hauptbahnhof und dem Bahnhof Berlin Südkreuz zwei weitere Bahnhöfe der Deutschen Bahn mit dem Signet ausgezeichnet.

Beide S-Bahnhöfe verfügen über Aufzüge und Blindenleitsystem und in Messe Nord/ICC darüber hinaus über Fahrtreppen. Da in den älteren S-Bahn-Fahrzeugen kein niveaugleicher Einstieg möglich ist, sind auf den Bahnsteigen mobile Rampen vorhanden. Personen im Rollstuhl wird empfohlen, im ersten Wagen einzusteigen und ihre Mitfahrt dem jeweiligen Triebfahrzeugführer zu signalisieren.

An den Handläufen, den Rufsäulen der Aufzüge und den Bedienfeldern der Aufzüge wurde für Sehbehinderte zusätzlich die Beschriftung in Brailleschrift angebracht.

138 von 166 Bahnhöfen mit S-Bahnhalt sind in Berlin und Brandenburg mit Aufzugs- oder Rampenanlagen ausgestattet worden. 95 Bahnhöfe verfügen über ein Blindenleitsystem. Derzeit sind 83 Prozent der Stationen barrierefrei. Das Ziel der Deutschen Bahn und des Berliner Senats ist es, diese Zahl weiter zu steigern.

Bei allen laufenden und noch geplanten Baumaßnahmen an den Verkehrsstationen, wie dem Umbau der Bahnhöfe Ostkreuz und Warschauer Straße, wird die barrierefreie Erschließung berücksichtigt.

Alle barrierefreien Maßnahmen, die Personen mit Mobilitätsbehinderungen den Zugang zum ÖPNV überhaupt erst ermöglichen oder zumindest deutlich erleichtern, steigern grundsätzlich die Nutzungsqualität des ÖPNV für alle Fahrgäste.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.berlin-barrierefrei.de, www.bahn.de/barrierefrei

 

 
be buddy, be funny, be berlin

Im Deutschen Pavillon "balancity - eine Stadt in Balance" wird die Hauptstadt Berlin von einem großen Buddy Bären vor der Kulisse des Brandenburger Tors repräsentiert. Der Bär wurde im Auftrag der Berlin Partner GmbH von der Fuenfwerken Design AG für die Expo 2010 gestaltet.

Die Einladung Berlins an die Besucher "the place to be." wird hier ganz wörtlich genommen - an der Seite des Buddy Bären, mitten auf dem Pariser Platz, ist mit Abstand das beliebteste Motiv für Erinnerungsfotos im Deutschen Pavillon.

 
Steigerung von 9,3 Prozent bei Ankünften und 11,1 Prozent bei den Übernachtungen

Der Berlin-Tourismus befindet sich weiterhin auf Rekordkurs. Nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg kamen im Mai 841.000 Besucher aus dem In- und Ausland in die deutsche Hauptstadt - 9,3 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen stieg mit 11,1 Prozent auf rund 1,9 Millionen.

"Der Mai ist der bislang beste Monat in der Geschichte des Berlin-Tourismus", sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). "Seit nunmehr 15 Monaten wachsen die Zahlen im Berlin-Tourismus unaufhörlich, und das trotz Wirtschaftskrise und Aschewolke. Dies zeigt, wie stark die Magnetkraft der deutschen Hauptstadt ist."

Auch für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich der BTM-Geschäftsführer verhalten optimistisch: "Vor allem die positiven Bilder, die von der Berliner Fanmeile aus in den letzten Tagen um die Welt gegangen sind, werden den Hauptstadt-Tourismus weiter ankurbeln."

558.800 Gäste aus Deutschland reisten im Mai nach Berlin, was einem Zuwachs von 7,9 Prozent entspricht. Die Übernachtungszahl stieg um 9,8 Prozent auf 1.203.200. Bei den ausländischen Touristen waren die Zuwachsraten sogar zweistellig: Rund 282.000 Besucher aus dem Ausland konnte die deutsche Hauptstadt im Mai dieses Jahres begrüßen ( 12,1 Prozent), die Zahl ihrer Übernachtungen stieg auf 727.600 ( 13,5 Prozent).

Insbesondere Touristen aus Schweden ( 23,8 Prozent), Frankreich ( 21,9 Prozent) und Großbritannien ( 15,8 Prozent) wählten Berlin im Mai als Reiseziel. Nachdem die Flugeinschränkungen infolge der isländischen Vulkanaschewolke aufgehoben wurden, kamen auch aus den USA wieder mehr Gäste in die deutsche Hauptstadt ( 11,4 Prozent).

Die Zahl der Berliner Beherbergungsstätten ist im Mai 2010 ebenfalls gestiegen: Mit 742 Hotels und Pensionen mit insgesamt rund 111.214 Betten ( 8,9 Prozent) standen nationalen und internationalen Touristen 63 Hotels mehr zur Verfügung als im Mai 2009.

presseportal.de, [08.07.2010]

 

 
Nach dem WM-Aus verzweifelten viele Fans auf der Fanmeile

Während der letzten Spielminuten standen die Fans schweigend vor den Leinwänden auf der Fanmeile, rauften ihre schwarz-rot-gelben Perücken und bissen in ihre Trikots. "Wir fahren nie wieder nach Mallorca", sagte ein Mädchen zu seinem Freund, der daraufhin nur wortlos den Kopf schüttelte. Dann zückte das Mädchen ein Taschentuch und wischte sich die Deutschlandfarben von den Wangen. Als der Schiedsrichter kurze Zeit später das Spiel abpfiff, strömten die Fanmassen zum Ausgang. Zwischen leeren Plastikbechern saßen schwere Männer, vergruben die Gesichter in ihren Händen, starrten mit glasigen Blicken auf die Leinwand und die Bilder der jubelnden Spanier auf dem Spielfeld in Südafrika.

Obwohl es gestern Abend vom Anpfiff an schattig auf der Fanmeile war und die rund 350 000 Fans nicht wie beim Viertelfinale in der Sonne brüten mussten, war die Stimmung die ganze Zeit über hitzig gewesen. Die wenigen Spanier, die sich hierher trauten, wurden mit lautem Gejohle begrüßt: "Schade Spanien, alles ist vorbei!" Bereits eine Stunde vor Spielbeginn gab es die ersten Zusammenbrüche wegen Alkohol, Fans übergaben sich, an einem Bierstand verpasste ein Fan einem anderen ein blaues Auge, weil der sein Bier verschüttet hatte.

Als das Spiel dann zu Ende war, droschen Fanmeilen-Besucher auf Straßenschilder ein. Sanitäter bahnten sich ihren Weg durch die Mengen, Sirenengeheul mischte sich mit dem lauten Krachen der Böller, die überall explodierten.

Und noch lange nach dem Spiel saß Björn, 34, auf der Straße des 17. Juni. "Ohne Worte", presste er hervor und fügte hinzu: "Das ist die Wiederholung von 2006." Während die Fans, die an ihm vorbeigingen, auf alles einkickten, was am Boden lag - leere Bierbecher, Deutschlandperücken und fettige Pommesschalen - fand Björn dann doch noch Worte dafür, warum er Weltmeisterschaften so liebt, solange Deutschland dabei ist: "Endlich trauen sich die Leute dann, Fahnen rauszuhängen." Schön fände er das und schließlich sagte er trotzig: "Meine Fahne bleibt!"

Auch Student Thomas, 25, saß noch fast eine Stunde lang mit seiner Freundin Denisa, 22, am Straßenrand. Die beiden trauten sich nicht loszugehen. Zu aufgeheizt fanden sie die Gemüter der enttäuschten Fans. "Einer musste ja verlieren", sagte Thomas, "aber ich bin enttäuscht, dass die Deutschen so schlecht gespielt haben, so ängstlich, mit so vielen Fehlpässen. Ich habe einfach attraktiveren Fußball erwartet." Auf der Fanmeile war er, weil er sie Denisa zeigen wollte. Die war aus Tschechien zu Besuch. "Ich komme aus einer kleinen Stadt", sagte sie, während eine Gruppe Jungen vorbei schlich, eine fast zehn Quadratmeter große Fahne über den Boden hinter sich herschleifend. "So etwas wie das hier habe ich noch nie gesehen."

Bei den Spanien-Fans war der Jubel grenzenlos. "Wir sind sehr stolz, dass wir die Deutschen geschlagen haben, weil die sehr stark sind", freute sich Maria, eine 27-jährige Studentin aus Spanien. Sie hatte mit etwa hundert anderen Spanien-Fans das Spiel in der Tapas-Bar Yosoy in Mitte verfolgt. "Es ist doch klar, dass wir die Holländer besiegen werden, denn die sind schwächer als die deutsche Elf", sagte sie.

Schon während des Spiels waren Sprechchöre aus der Bar und über den Rosenthaler Platz in Mitte geschallt: "A por ellos, olé, a por ellos, olé". Die Männer, eingehüllt in ihre Nationalflaggen, die Frauen mit gelben Halstüchern und roten Lippen fieberten mit, sie stampften und brüllten sich in einen Rausch. Hunderte Tapas, Berge Papas Fritas und Calamaris gingen über den Tresen. Spanier, so viel war Beobachtern klar, machen mehr als Public Viewing, sie machen Kampfsport, der während des Spiels sogar eine schöne Spanierin vom Hocker gleiten ließ. Kreislaufkollaps.

Unter die Spanier hatten sich auch einige Deutsche gemischt. Wegen der grandiosen Stimmung, wie ein Rentner sagte. Mittendrin saß ein junges Paar, Carmen und Michael, sie Spanierin, er Deutscher. "Am Ende wird einer weinen, wir wissen nur noch nicht wer", sagte der Gatte früh am Abend. Wie es sich zeigen sollte, war er es.

Berliner Zeitung, [08.07.2010]

 

 
Bei über 30 Grad haben hunderttausende Fans vier Tore für Deutschland gegen Argentinien gefeiert

Schon während der Schlussminuten des Spiels hatten sich erste Deutschland-Fans hupend und in ersten Autokorsos formiert auf den Weg in Richtung Ku'damm gemacht. Auch auf der Schönhauser Allee stieg wieder die obligatorische Straßenparty. Beide Strecken hatte die Polizei zuvor für den Autoverkehr gesperrt. Gefeiert wurde wieder weitgehend zu Fuß. Nur von Westen her, vom Adenauerplatz bis zur Uhlandstraße durften die Fans auf dem Ku'damm auch fahrend feiern. Die Lietzenburger Straße war ein einziger Autokorso. Auf der Kantstraße lief der Verkehr flüssiger. Als es dann gegen 19 Uhr auf dem Ku'damm zu voll wurde, begann die Polizei, die nachströmenden Autos schon am Olivaer Platz abzuleiten. Nach 20 Uhr dünnte sich der Korso bereits wieder aus, das feiernde Fußvolk aber war fröhlich weiter am Start. Erst gegen 22.30 Uhr begann auch diese Straßenparty sich zu verlaufen. Die Polizei sprach am Sonntagmorgen von einer "entspannten Atmosphäre". Es erstaunlich, dass es bei so vielen feiernden Fans "überwiegend friedlich" geblieben sei. Es habe keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben.

Das Ganze wird ja inzwischen schon zur Partyroutine. Und auch dieses Mal waren wieder viele Jugendliche aus Einwandererfamilien bei der Feierei ganz vorn dabei. Auf dem Breitscheidplatz ging es etwas traditioneller zu: Dort mischten sich die Fans unter das Publikum des "Berliner Drehorgelfests". Und die Vuvuzela übertönte den Leierkasten.

Am Ku'damm Ecke Leibnizstraße stand ein zerbeulter Suzuki Swift. Schwarz-Rot-Gold lackiert, mit Cindy, Linus, Felix und sechs anderen Namen verziert sowie dem Spruch "Don't Cry For Me Argentina". Neun Leute, alle um die 20 Jahre alt, haben zusammengelegt und sich die Rostlaube für 50 Euro extra für die WM gekauft - um auf der Partymeile auf der Motorhaube und dem Dach herum zu springen und zu tanzen. Mit einer Beatbox in einem Einkaufswagen beschallten derweil einige Fans die Ecke Ku'damm/Uhlandstraße.

Vor dem argentinischen Spezialitätenrestaurant "Cayenne" am Kurfürstendamm saßen Fans im Deutschlandtrikot, während der Wirt sich drinnen mit einem Angestellten stritt. Bei der Konkurrenz im "Block House" genossen deutsche Fans derweil argentinische Steaks.

Glänzende Stimmung gab es gleich nach dem Abpfiff auch am neuen Fantreff in Prenzlauer Berg. Am U-Bahnhof Eberswalder Straße an der Schönhauser Allee feierten Fans den Sieg. Alle Straßenbahnlinien in Richtung Pankow waren deshalb unterbrochen, auf den Displays der Haltstellen leuchtete die Nachricht auf: ,,Feiernde Fans am U-Bahnhof Eberswalder Straße." Rund 300 Fans nahmen die Straße in Besitz - mit Gummibällen, Megaphonen, Trommeln und Böllern. Nur wenige Vuvuzelas waren hier zu hören und zu sehen.

Eine kleine Keilerei unter einem halben Dutzend alkoholisierter Deutschland-Fans - keine Argentinier weit und breit - löste die Polizei kurzerhand auf. "Wir wollen Deutschland feiern, keine Prügelei", sang daraufhin die Masse der anderen Fans, zur Melodie von "Brown Girl In The Ring".

Eine Art Anti-Autokorso gab es auf der Karl-Marx-Allee Richtung Alexanderplatz: Feiernde Fans holten sich die Straße zurück und liefen auf der Fahrbahn, so dass keine Autos mehr durchkamen. Geärgert hat sich offenbar kein Autofahrer. Alles blieb friedlich.

So sah die Szenerie zuvor auf der Fanmeile aus: Unter einer sengenden Sonne eine glühende Insel lärmender Fans, umgeben von der fast ausgestorbenen Stadtwüste. In kühleren Temperaturen in Kapstadt legt die deutsche Elf gleich los wie entfesselt und beschert den Fans eine unter der sengenden Sonne durchaus anstrengende, aber wohltuende Jubelarie. Denn Thomas Müller erzielt das 1:0 gegen die Elf von Diego Maradona. Dann ein kollektives Aufstöhnen, als Miroslav Klose aus guter Position das 2:0 verpasst und über das Tor schießt.

Dann kommt Argentinien immer besser ins Spiel. 300.000 Fans müssen zittern trotz brüllender Hitze. Dann der ganz große Frust...!? Tor für Argentinien, Aufschrei, Entsetzen - abseits, nur die Ruhe! Und immer wieder befreien sich die Deutschen vom Druck. Doch nach der Halbzeitpause beginnt eine neue Drangphase des alten WM-Rivalen. Doch dann, gleich mit der ersten Chance der Deutschen in der zweiten Halbzeit macht Klose das 2:0. Das lange Bangen entlädt sich in unbeschreiblichem Jubel. Überall in der Stadt sind Böller zu hören. Und dann das Unglaubliche: Arne Friedrich, Fußballgott, offiziell bei diesem Turnier noch Herthaner, erzielt im 77. Spiel sein erstes Länderspieltor. Berlin quittiert das mit - noch mehr Jubel, noch mehr Böllern. Miroslav Klose hat darin mehr Routine: Sein 4:0 ist sein 14. WM-Tor - genauso viele wie Gerd Müller, der Bomber.

Fanmeile füllte sich langsam

Die Piste zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule hatte sich zunächst nur langsam gefüllt. Viele Fans suchten zunächst mal Schutz und Schatten unter den Bäumen des Tiergartens. Auch kurz nach dem Anpfiff kommen noch weitere Fans. Viele verpassen sogar das erste Tor. Schlangen gab es an den Eingängen nicht. Wegen Überfüllung geschlossen wurde die Fanmeile trotz der großen Bedeutung des Spiels diesmal nicht - die Hitze, die Hitze.

Die Sanitäter mussten einige bewusstlose Fans behandeln, denen die Mischung aus Hitze, Spannung und Alkohol zum Verhängnis wurde. Ein Dutzend Fanmeilenbesucher musste bei deutlich über 30 Grad ins Krankenhaus gebracht werden. 180 Mal mussten die Helfer insgesamt wegen der Hitze tätig werden, in den allermeisten Fällen verlief somit alles glimpflich. Insgesamt überschaubare Zahlen. Abkühlung gab es übrigens durch extra aufgestellte Duschen - und später am Abend durch einen geöffneten Hydranten, um dessen Fontäne die Fans herumtanzten.

Auch anderswo in der Stadt bestimmte der Fußball das Treiben auf den Straßen und Plätzen. Überall waren während dem Spiel und vor allem danach Hupen und Böller zu hören. Am Boxhagener Platz beantworteten die Fans die deutschen Tore mit einem begeisterten Böllerkonzert. Viele Anwohner hatten zusätzliche Stühle aus den Häusern getragen, um vorden Kneipen mit zu schauen. Als die Argentinier ihr erstes Tor, das dann doch keines war, schossen, riss ein Fußballenthusiast vor Aufregung einen Tisch um. Als sich die Lage geklärt hatte, sammelten alle gemeinsam die Scherben auf.

Das Quartier von „11 Freunde“, Zitty und Tagesspiegel im Astra-Kulturhaus in der Revaler Straße musste bereits um 15.30 Uhr die Tore schließen, davor wartete noch eine 50 Meter langen Schlange. Drinnen gab es immerhin Duschen, vom Veranstalter vorsorglich installiert.

In einem Friedrichshainer Biergarten vergnügten sich derweil die beiden Schwestern Sabine und Irmgard Kraus aus Reinickendorf, beide nur mit Deutschlandfahnen bekleidet. Festgesteckt waren sie mit Sicherheitsnadeln. „Damit alles hält, wenn wir zum Jubeln die Arme hochreißen“, erklärte Sabine.

Mitunter gab es kuriose Szenen zu beobachten, so im Kreuzberger Viktoriapark. Auf einer Bank lag schlafend ein 24-Jähriger aus Werder, den auf dem Wegzur Fanmeile erst der Alkohol, dann die Müdigkeit übermannt hatte. „Markus hat sich so auf das Spiel gefreut“, bedauerten ihn seine Freunde, die nun in einem nahen Lokal das Spiel ansahen. Von dort konnten sie ihn nebenbei im Auge behalten.

Der Tagesspiegel, [03.07.2010]

 

 
Am 09.07.2010 in der Wilmersdorfer Straße

Der vierte Carrotmob in Berlin startet mit höchster Quote für CO2-Reduzierung in einer Charlottenburger Eisdiele am 09.07.2010. Ariane Zheden betreibt als Franchisenehmerin mit ihrem Partner Elmar Kreß und mehreren Mitarbeitern in der Wilmersdorfer Straße 41 in Charlottenburg eine klassische Eisdiele von Janny´s Eis, die an dieser Stelle bereits seit 15 Jahren ihren festen Platz hat. Entsprechend gibt es bei Energieversorgung, Geräten und Beleuchtung viele Punkte, die Energieeffizienz des Geschäftes zu verbessern.

Angeregt durch die Berichte über die ersten 3 Berliner Carrotmob-Veranstaltungen in einem Spätkauf, einem Imbiss und einem Blumenladen stand seit März 2010 der Entschluss fest, einen Carrotmob im eigenen Eiscafé zu veranstalten und 80 % der Tageseinnahmen dazu zu verwenden, die CO2-Bilanz des Geschäftes zu senken.

Zum Carrotmob: Bei Carrotmob-Veranstaltungen verpflichtet sich der Inhaber des "gemobbten" Geschäftes, einen vorher festgelegten Satz der Tageseinahmen in energiesparende und die CO2-Bilanz verbessernde Maßnahmen des Geschäftes zu investieren. Über das Internet, Netzwerke und Mund-zu-Mund-Propaganda verabreden sich die Carrotmobber, den Tagesumsatz des Geschäftes durch ihren Einkauf zu steigern.

Eventablauf:
Ort: Janny´s Eis, Inh. Ariane Zheden, Wilmersdorfer Straße 41, 10627 Berlin-Charlottenburg
Datum: Freitag, 09. Juli 2010, Beginn: 12 Uhr, Ende: 20 Uhr

 
Ab 2011 soll das Traditionsgebäude Deutschlandhalle abgerissen werden und einer neuen Messehalle weichen

Im Schaukasten neben dem Ticketschalter 3 hängt ein halb eingerolltes Veranstaltungsplakat – aus dem Jahr 1994. Daneben der Terminplan 2008 aus der letzten Eishockeysaison der ECC Preußen Juniors in der Deutschlandhalle. Verwaist steht sie da. Rechts die schicken, zweistöckigen Messehallen, links der grüne S-Bahnhof Eichkamp. Die Fahnenmasten sind leer, die Plakatleinwände an der Vorderfront zerrissen, am Dach blättert der Putz und hinter zerborstenem Fensterglas stehen Spanplatten. Ab Frühjahr 2011, das ist jetzt wohl amtlich, wird das West-Berliner Baudenkmal abgerissen.

Etwa ein Jahr wird das dauern. Denn das massige Gebäude aus Stahl und Beton, das 1935 für die Olympischen Spiele als größte Multifunktionshalle der Welt eingeweiht wurde, umschließt 260 000 Kubikmeter Raum. In der Halle gelang in Vorkriegszeiten sogar ein Hubschrauberrundflug. Aus statischen Gründen und mit Rücksicht auf das benachbarte Messegelände muss der Bau Stück für Stück abgetragen werden. Beschlossen wurde der Abriss vom rot-roten Senat schon am 27. Mai 2008. Verzögert hat sich der Vollzug, weil für den Amateur-Eissport in Berlin erst eine Ausweichstätte gefunden werden musste und weil bisher der Denkmalschutz griff.

Seit dem 30. November 2009 sind die Berliner Eishockey-Jugend, die Freunde des Kunstlaufs und des Curling im Hangar 3 des Flughafens Tempelhof untergebracht. Auch das ist nur ein Provisorium, so wie vorher die Deutschlandhalle. Erst im Sommer 2011 wird eine neue Eissporthalle am Olympiapark (Glockenturmstraße) in Betrieb genommen. Fast ein Jahrzehnt hatte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf darum gekämpft. Und mit noch größerem Engagement kämpft das Bezirksamt in der City-West, unterstützt von CDU, SPD und Grünen, für das Weiterleben der Deutschlandhalle.

Wirksame Waffe in diesem Kampf war bisher die Berliner Denkmalliste, in der das Traditionsgebäude mit der Bezeichnung „Mehrzweckbau“ unter der Nummer 09096352 eingetragen ist. Als die landeseigene Messe GmbH am 6. März 2009 den Abrissantrag stellte, weil sie das Gelände für den Neubau einer Messehalle braucht, ging der Bezirk zum Angriff über und lehnte als untere Denkmalschutzbehörde den Antrag am 8. Juli ab. Auch der Widerspruch vom 23. September 2009 wurde abschlägig beschieden. Erst vor einer Woche griff der Senat ein, um seine Pläne für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) und die Erweiterung der prosperierenden Messe – wenn auch mit Verzögerung – doch noch durchzusetzen.

Die Entscheidung des Bezirksamts wurde aufgehoben und die Auflage erteilt, sich mit dem Landesdenkmalamt zu einigen, das unter Senatsaufsicht steht. Eine solche Einigung ist nicht zu erwarten, und danach wird die oberste Denkmalschutzbehörde, die zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gehört, den Abriss genehmigen. Die Begründung steht eigentlich schon fest: ein „überwiegend öffentliches Interesse“ am Abriss und die „fehlende wirtschaftliche Zumutbarkeit“ für eine Weiterexistenz der Halle, deren jährliche Betriebskosten mit zuletzt 2,9 Millionen Euro enorm hoch waren. Zudem müsste das aus 5215 mürben Betonplatten bestehende Dach erneuert und die Halle, mit Ausnahme der Fassade, völlig umgebaut werden, um sie wieder funktionstüchtig machen.

Am Dienstag wird das Bezirksamt beraten, ob gegen die Abrisspläne des Senats noch ein Kraut gewachsen ist. Frühere Ankündigungen, man werde vor Gericht ziehen, nahm Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) jetzt bedauernd zurück. „Leider können wir nicht klagen, obwohl der Senat mit der Einschaltung des Landesdenkmalamts bewusst die Rechte des Bezirks aushebelt.“ Der Vorwurf Gröhlers, mit dem Abriss der Halle hinterlasse der Senat eine Brache, zieht allerdings nicht. Der interne Vorschlag des SPD-Arbeitskreises „Wirtschaft“, dort eine einstöckige Messehalle zu genehmigen, die 50 Millionen Euro kosten darf, ist koalitionsintern wohl mehrheitsfähig.

Bei optimistischer Betrachtung könnte diese Halle bis zum Sommer 2013 betriebsfertig sein. Und gemeinsam mit den Hallen in Tempelhof für die Zeit der ICC-Sanierung für Großkongresse als Ausweichquartier dienen. Die komplette Schließung des ICC, die aus bautechnischen Gründen wenigstens zeitweise unausweichlich ist, will die SPD aber auf ein Jahr minimieren, bestätigte der SPD-Wirtschaftsexperte Jörg Stroedter. Die übrigen Sanierungsarbeiten sollen bei laufendem Betrieb stattfinden. Das neue Gesamtkonzept für Deutschlandhalle, ICC und Messeerweiterung wird der Senat erst nach der Sommerpause vorlegen.

Der Todesstoß wurde der Deutschlandhalle aber viel früher versetzt: Mit der Olympiabewerbung Berlins, die zwar 1993 scheiterte, aber zwei Großsporthallen (Velodrom, Max-Schmeling-Halle) hervorbrachte, die den Veranstaltungsort im Westen überflüssig machten. Folgerichtig beschloss der CDU/SPD-Senat im August 1996 die Schließung der Halle. Nur weil die Messe 2001 einen neuen, repräsentativen Südeingang bekam und dafür die alte Eissporthalle abgerissen wurde, konnte die Deutschlandhalle noch einige Jahre dem Amateursport als provisorische Unterkunft dienen.

Der Tagesspiegel, [20.06.2010]